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Pay or OK: Wie Europas Datenschutzbehörden 2024–2026 entschieden haben

Cookie Wall Pay or OK CNIL EDPB DSB Datatilsynet

Das „Consent or Pay“-Modell — auch bekannt als „Pay or OK“ oder „Pur-Abo“ — ist das umstrittenste Thema im europäischen Datenschutzrecht. Seit dem EuGH-Urteil C-252/21 (Meta, Juli 2023) haben sich die europäischen Aufsichtsbehörden in einer bemerkenswerten Geschwindigkeit positioniert. Hier ist der aktuelle Stand.

Die EDPB-Stellungnahme 08/2024

Im April 2024 veröffentlichte der Europäische Datenschutzausschuss (EDPB) seine Stellungnahme 08/2024 zu „Consent or Pay“-Modellen bei großen Online-Plattformen:

  • Große Plattformen („Gatekeeper“) sollten eine dritte Option anbieten — z.B. werbefinanziert ohne Tracking (kontextuelle Werbung)
  • Die bloße Wahl zwischen „zustimmen oder zahlen“ erfüllt bei Marktmacht nicht automatisch das Kriterium der Freiwilligkeit
  • Der Preis muss verhältnismäßig sein — keine „prohibitive pricing“

Wichtig: Die Stellungnahme richtet sich explizit an große Plattformen. Für kleinere Publisher lässt der EDPB bewusst Spielraum.

Die Entscheidungen im Detail

DSB Österreich: derStandard.at (Dezember 2023)

Ergebnis: Unter Auflagen genehmigt

Die österreichische Datenschutzbehörde akzeptierte das Pur-Abo-Modell von derStandard.at (5,83 €/Monat) unter der Bedingung, dass:

  • Die bezahlte Version funktional identisch ist (kein Downgrade)
  • Der Nutzer jederzeit zur werbefinanzierten Version zurückkehren kann
  • Die Preisgestaltung transparent dokumentiert ist

Datatilsynet Norwegen: Meta (Oktober 2024)

Ergebnis: Verboten

Die norwegische Behörde entschied, dass Metas „Pay or Consent“-Modell für Facebook und Instagram die DSGVO verletzt, weil:

  • Meta eine marktbeherrschende Stellung hat (Art. 7 Abs. 4 DSGVO)
  • Keine echte Wahlfreiheit besteht, wenn die Alternative der Ausschluss von sozialen Netzwerken ist
  • Der Preis (9,99 €/Monat) als prohibitiv eingestuft wurde

CNIL Frankreich: Fortlaufende Praxis

Ergebnis: Differenziert

Die CNIL hat kein pauschales Verbot ausgesprochen, aber in mehreren Fällen Bußgelder verhängt, wenn:

  • Der „Ablehnen“-Button im Banner versteckt war (Consent-Manipulation, nicht Pay-or-OK)
  • Die Cookie-Wall den Zugang komplett blockierte (keine Alternative angeboten)
  • Tracking trotz Ablehnung fortgesetzt wurde (Reject-Leak)

AEPD Spanien

Ergebnis: Noch keine finale Entscheidung

Die spanische Behörde hat sich bisher nicht öffentlich zu Pay-or-OK positioniert, prüft aber aktuell Beschwerden gegen mehrere große spanische Medienhäuser.

Entscheidungsmatrix

BehördeLandErgebnisPreisgrenzeKernargument
EDPBEUEinschränkend—Dritte Option bei Marktmacht
DSBATGenehmigt*~6 €/Mon.Funktionale Äquivalenz
DatatilsynetNOVerboten—Marktmacht, prohibitiver Preis
CNILFRDifferenziert—Fallbasiert, Transparenzfokus
AEPDESOffen—Verfahren laufen

*) Unter Auflagen

Praxisempfehlung

Wenn Sie ein Pay-or-OK-Modell einsetzen oder planen:

  1. Preis prüfen: Unter 5 €/Monat signalisiert Verhältnismäßigkeit
  2. Dritte Option erwägen: Kontextuelle Werbung ohne Tracking (wenn technisch machbar)
  3. Funktionale Äquivalenz sicherstellen: Kein Feature-Downgrade für zahlende Nutzer
  4. Reversionsmöglichkeit: Jederzeitiger Wechsel zurück zur werbefinanzierten Version
  5. Dokumentation: Preiskalkulation nachvollziehbar aufbewahren (Rechenschaftspflicht Art. 5 Abs. 2 DSGVO)

Technische Details zur Cookie-Wall-Erkennung finden Sie auf unserer Methodik-Seite.