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Die 10 häufigsten CMP-Fehler, die ab dem 28. Juni 2025 teuer werden

EAA BFSG CMP Cookiebot Usercentrics OneTrust WCAG

Am 28. Juni 2025 tritt das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) in Kraft. Consent-Banner, die nicht barrierefrei sind, verstoßen dann gegen zwei Gesetze gleichzeitig: die DSGVO (unwirksame Einwilligung) und das EAA. Wir haben in den letzten 6 Monaten über 500 Consent-Banner auditiert. Hier sind die 10 Fehler, die wir am häufigsten finden.

Fehler 1–3: Semantik

1. Fehlende role="dialog"

Betroffen: ~62 % aller Banner. Screenreader kündigen das Element nicht als Dialog an. Der Nutzer weiß nicht, dass eine Entscheidung erforderlich ist.

Fix (Cookiebot): In den Erweiterten Einstellungen Custom CSS/HTML → dem äußeren Container role="dialog" aria-modal="true" aria-label="Cookie-Einstellungen" hinzufügen.

2. Kein aria-label auf Buttons

Manche CMPs rendern Buttons nur mit Icons oder generischem Text. Screenreader lesen dann „Button“ statt „Alle Cookies ablehnen“.

Fix (Usercentrics): Unter Design → Button Labels die Beschriftungen vollständig ausschreiben statt „✕“ oder „OK“.

3. Verschachtelte Formulare

OneTrust generiert bei manchen Templates verschachtelte <form>-Tags. Das ist invalides HTML und bricht die Semantik für assistive Technologien.

Fix: OneTrust Template v6.38+ behebt dies. Erzwungenes Update in den Einstellungen unter „Template Version“.

Fehler 4–6: Tastatur

4. Fehlender Focus-Trap

Der Fokus springt hinter den modalen Banner. Ein Tastaturnutzer kann den Banner nicht bedienen, ohne die Seite neu zu laden.

Fix: JavaScript-Focus-Trap implementieren. Bibliothek: focus-trap (npm). Oder CMP-eigene Einstellung aktivieren (Usercentrics: „Accessibility Mode“).

5. Escape schließt Banner = implizite Zustimmung

Manche CMPs interpretieren Escape als „Banner schließen“ und setzen danach Tracking-Cookies. Das ist eine implizite Einwilligung, die rechtlich nicht haltbar ist.

Fix: Escape entweder deaktivieren oder als „Ablehnen“ behandeln — nie als „Akzeptieren“.

6. Tab-Reihenfolge: Accept vor Reject

In 78 % der Banner erreicht Tab zuerst „Alle akzeptieren“. Das benachteiligt Tastaturnutzer, die „Ablehnen“ wählen wollen.

Fix: Die Tab-Reihenfolge muss neutral sein. Cookiebot: data-taborder-Attribut anpassen. Usercentrics: Layout auf „Equal Buttons“ umstellen.

Fehler 7–8: Visuell

7. Reject-Button in Low-Contrast

Der häufigste Trick: „Akzeptieren“ in kräftigem Grün, „Ablehnen“ in hellgrau auf weiß — Kontrastverhältnis oft unter 2:1 statt der geforderten 4.5:1.

Fix: Beide Buttons müssen WCAG SC 1.4.3 erfüllen. Das ist nicht nur ein Dark Pattern, sondern ab dem 28. Juni auch ein EAA-Verstoß mit eigenem Bußgeldrahmen (bis 100.000 €).

8. Touch-Targets unter 44×44px

Auf Mobile rendern viele CMPs die „Einstellungen“-Links in 8px-Schrift. Nicht klickbar mit motorischen Einschränkungen.

Fix: Mindestgröße 44×44px (WCAG 2.5.8). CMP-responsive Templates verwenden.

Fehler 9–10: Inhalt

9. Banner-Sprache ≠ Seitensprache

Die Website ist auf Deutsch, der CMP-Banner auf Englisch (oder umgekehrt). Ein Barrierefreiheitsproblem und ein EDPB „Fickle“-Pattern.

Fix: CMP-Sprachlogik an lang-Attribut der Seite koppeln.

10. Kein Persistent-Link zum Widerruf

Nach dem Schließen des Banners gibt es keinen sichtbaren Weg, die Einwilligung zu widerrufen. Art. 7 Abs. 3 DSGVO fordert: Widerruf muss genauso einfach sein wie die Erteilung.

Fix: Permanenten „Cookie-Einstellungen“-Link im Footer platzieren.

Doppelter Rechtsrahmen ab 28.06.2025

Jeder dieser Fehler kann zwei Konsequenzen haben:

  • DSGVO: Unwirksame Einwilligung → Tracking ohne Rechtsgrundlage → Bußgeld Art. 83 DSGVO
  • EAA/BFSG: Barrierefreiheitsverstoß → Bußgeld bis 100.000 € nach § 17 BFSG + Abmahnung durch Verbände (UKlaG)

Unsere Methodik beschreibt die technischen Prüfkriterien. Ein Forensic Report enthält für jeden gefundenen Fehler den genauen WCAG-Verstoß mit Kontrastverhältnissen, fehlenden ARIA-Attributen und Screenshot-Beweisen.